Tragaltar im Diözesanmuseum erstrahlt in neuem Glanz

Tragaltar
Tragaltar
Kunstwerk aus dem 12. Jahrhundert musste wegen Schmutz und Korrosion aufwendig restauriert werden
Datum:
Veröffentlicht: 10.8.21
Von:
Ludmila Kvapilová-Klüsener
Ernst von Siemens Kulturstiftung Corona-Förderlinie
Ernst von Siemens Kulturstiftung Corona-Förderlinie

Bamberg. Nach aufwendiger Restauration kann der Tragaltar im Bamberger Diözesanmuseum in neuem Glanz betrachtet werden. Die Spezialrestauratorin für Elfenbein und Wachs, Sabine Schwab aus Kößlarn, war mit der Restauration der beiden Tragaltäre aus dem Bamberger Domschatz mehrere Wochen intensiv beschäftigt. Der zweite Tragaltar kann derzeit als Tauschleihgabe im Regensburger Domschatz besichtigt werden. Die Restauration war dank großzügiger Unterstützung der Ernst von Siemens Stiftung möglich.

Die nun wieder leuchtenden, bunten Farben der Grubenschmelzverzierungen waren vor der Restaurierung durch festhaftenden Schmutz in ihrer Wirkung beeinträchtigt. Auch zeigten die Figuren aus Walrosszahn oder Bein ein ungleichmäßiges Erscheinungsbild, da die Tiefen sehr verschmutzt waren. Sehr langwierig erwies sich dabei die Abnahme der dick verkrusteten Schmutz- und Korrosionsschicht auf den vergoldeten, geprägten Kupferfolien. Eingerissene Goldfolien an den Randzargen und die bei früheren Reparaturen eingeschlagenen Nägel zur Fixierung der Füße stellten eine besondere Herausforderung dar. Durch die Restaurierungsmaßnahmen gewann das einst sehr prachtvolle sakrale Kunstwerk einen gepflegten und homogenen Gesamteindruck zurück, bei dem die unterschiedlichen Werkstoffe wieder in ihrer ursprünglichen Materialität und Farbigkeit zur Geltung kommen.

Der Tragaltar besteht aus Eichenholzkern, der mit Grubenschmelzplatten verschiedenster Motivik und Ornamentik beschlagen ist. So sind auf der Deckplatte Abraham mit Lamm und Melchisedech mit Hostie und Wein dargestellt, die auf das Altaropfer hinweisen, zudem die Symbole der vier Evangelisten, zwei der vier Paradiesflüsse und vier Paradiesbäume. Von den ursprünglich zwölf Aposteln aus Walrosszahn oder Bein haben sich an den Seitenwänden noch elf erhalten. Die Füße aus feuervergoldetem Messing, die den Kasten tragen, zeigen langhalsige Drachen, die ihre Köpfe zwischen ihre Pranken legen. Aufgrund von Vergleichsobjekten in Museen in Cleveland, New York und Darmstadt wird der Altar für ein Werk einer in Hildesheim ansässigen Werkstatt mit Verwendung von Figuren aus Köln gehalten.

Der Altar ist mit einem geweihten Altarstein ausgestattet, auf dem ein kleiner Kelch und eine Patene gestellt werden konnten. Unter dem Stein aus grünem Serpentin sind Reliquien von Papst Alexander (gest. 115) und vom Grab Mariens eingebracht. Solche Tragaltäre – altare portatile – dienten dem Priester auf Reisen zur Feier der Messe oder wurden auf nicht geweihte Altäre aufgestellt.

 

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