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5. Europäischer Tag Restaurierung: 16. Oktober 2022

Krone der hl. Kunigunde

Das Christkind und die Krone der hl. Kunigunde: Vom Spagat in der Restaurierung

Die Textilrestauratorin Sibylle Ruß stellt zwei sehr unterschiedliche Objekte des Diözesanmuseums vor, die im Spannungsfeld zwischen konservierender Erhaltung und Rekonstruktion stehen. Es werden verschiedene Aspekte der objektspezifischen Maßnahmen vorgestellt.

Bei der sog. Festtagskrone der hl. Kunigunde (gest. 1033), die aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Michaelsberg in Bamberg stammt, handelt es sich um eine Posamenterie-Krone aus unterschiedlichen Textilien mit Gold- und Perlenstickerei. Der heutige Zustand, der vermutlich der Säkularisation von 1803 geschuldet ist, zeigt ein undefinierbares Konglomerat aus Leinen- und Goldfäden. Das ursprüngliche Aussehen lässt sich nicht einmal mehr vermuten. Es ist jedoch in einem Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert überliefert und macht den Verlust an Perlen, Korallen und gefassten Steinen deutlich. Die Krone, die vermutlich zu einer Marienfigur gehörte, ist aufgrund ihrer Technik und zweier Buchstaben in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zu datieren. Die Bearbeitung der Krone beschränkte sich auf eine umfassende Analyse, Oberflächenreinigung und Sicherung loser Materialien.

Die stehende Christkindfigur aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts kam als Ruine ins Museum: Die Beine waren abgebrochen, Hände und Füsse aus Wachs stark beschädigt oder ganz verloren. Motten hatten die Haare aus Wollvlies komplett vernichtet, die Bekleidung war verschmutzt und durch Lichtschädigung geschlissen, der Heiligenschein bis zu Unkenntlichkeit verbogen. Um das Objekt überhaupt ausstellen zu können, musste die Bearbeitung weiter gefasst werden. Neben Reinigung und Sicherung der Textilien und der Wachsteile, waren fehlende Hände und Füsse zu ergänzen, wofür ein Holzbildhauer und eine Wachsrestauratorin einbezogen wurden. Die Haare wurden in einer reversiblen Montage wieder aus Wollvlies rekonstruiert. Die gesamte Konstruktion wurde ertüchtigt und ein Stativ für Ausstellung und Magazinierung angefertigt.

Weshalb wurden beide Objekte so unterschiedlich behandelt? Wo sind die Grenzen der Rekonstruktion? Beide Objekte werden vorgestellt und diese Fragen diskutiert.