Ausstellung bis 30. September 2021:Die Bamberger Kaisergewänder unter der Lupe – Methoden und Ergebnisse der aktuellen Forschungen

Lichtmikroskopische Aufnahme des originalen Goldfadens mit Seidenseele
Lichtmikroskopische Aufnahme des originalen Goldfadens mit Seidenseele
Als Abschluss eines fünfjährigen Forschungsprojektes zeigt das Diözesanmuseum Bamberg eine umfassende Sonderausstellung zu den Bamberger Kaisergewändern, in der diese unter verschiedenen Aspekten ‚unter die Lupe‘ genommen werden. Neben den in Bamberg bewahrten Gewändern und Fragmenten werden in der Ausstellung auch kostbare Leihgaben aus nationalen und internationalen Museen und Schatzkammern zu sehen sein, die trotz der Covid-19-Pandemie von den Leihgaben großzügig zur Verfügung gestellt wurden.
Datum:
Veröffentlicht: 14.9.21
Von:
cms

Zu den einzigartigen Exponaten, die im Diözesanmuseum Bamberg verwahrt werden, gehören die sog. ‚Kaisergewänder‘. Dabei handelt es sich um nicht weniger als sechs Prachtgewänder, die mit den Namen Kaiser Heinrichs II. (* 973, reg. 1002–1024) und seiner Gemahlin Kunigunde (um 980–1033) verbunden werden: Der Sternenmantel Heinrichs II., der Blaue und der Weiße Kunigundenmantel, der Reitermantel, die Tunika und das Rationale – ein liturgisches Würdezeichen in Form eines Schulterüberwurfs.

Dieser einmalige Bestand an bestickten Seidengewändern aus dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts wurde in vergangenen fünf Jahren eingehenden, bewusst interdisziplinär ausgerichteten Untersuchungen und Studien unterzogen, die durch ein DFG-Forschungsprojekt ermöglicht wurden. Die sehr vielfältigen und spannenden Ergebnisse der beteiligten Fachdisziplinen werden nun in einer Sonderausstellung präsentiert: Dazu gehören neben historischen, schriftkundlichen und kunsthistorischen Aspekten ebenso auch die textiltechnologischen und materialkundlichen Analysen.

Jedes der sechs Gewänder wird in seinem materiellen Bestand und dessen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte vorgestellt – auch durch heute deponierte Fragmente, oder solche, die durch Entnahme im 19. Jahrhundert in internationale Museen abgewandert sind, etwa nach Nürnberg, München, Wien und Lyon. Ebenso wird die ikonographische Konzeption der Bildprogramme als Mittel herrscherlicher Repräsentation herausgearbeitet, und die Stickereien durch die stilistischen Vergleiche mit Werken der Buchmalerei und der Textilkunst in ihr künstlerisches Umfeld eingeordnet – allen voran die Decke aus dem Schrein der hll. Ewalde aus St. Kunibert in Köln, deren Zierinschrift auf das Engste verwandt ist mit der Sauminschrift des berühmten Sternenmantels Heinrichs II.

Das Bamberger Rationale, das älteste erhaltene überhaupt, wird erstmalig mit seinen Nachfolgewerken zusammengeführt: Der Nachzeichnung aus dem frühen 15. Jahrhundert, heute in der Staatsbibliothek Bamberg, und dem von Kaiser Ludwig dem Bayern um 1320 gestifteten Rationale aus dem Regensburger Domschatz sowie dessen barocker Kopie aus dem Bayerischen Nationalmuseum.

Der Aspekt der Verehrung der Kaisergewänder als Reliquien der Bistumsgründer und -patrone Heinrich II. und Kunigunde findet seinen besonderen Ausdruck im ‚Bamberger Heiltumsbuch‘ von 1509, das aus der British Library in London für die Ausstellung nun auf Zeit nach Bamberg zurückkehrt.